Großer Kunstpreis und Förderpreise des Vereins der Freunde der KHM | 13.11.–08.12.2018

KHM
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Preisverleihung und Ausstellungseröffnung Dienstag, 13. November, 19 Uhr

Der Verein der Freunde der KHM zeichnet jährlich herausragende künstlerische Leistungen von Studierenden und Diplomand*innen durch die Vergabe des Großen Kunstpreises sowie von drei Förderpreisen aus. Werke der diesjährigen Preisträger*innen, die anlässlich der Verleihung am 13. November, 19 Uhr, bekannt gegeben werden, sind nun in einer Ausstellung in GLASMOOG zu sehen.


Der 2016 ins Leben gerufenene Große Kunstpreis ist hochrangig mit 10.000 EUR dotiert. Bisherige Preisträger*innen: 2016 – Joscha Steffens sowie Miriam Gossing & Lina Sieckmann; 2017 – Stefan Ramírez Pérez.


Die Förderpreise für Junge Studierende sind mit jeweils 2.000 EUR dotiert. Letztjährige Preisträger*innen: 2017 – Agustina Andreoletti, Anne Arndt, Florian Dedek.


Der Verein der Freunde der Kunsthochschule für Medien Köln e.V., der aus dem Verein der Freunde der Kölner Werkschulen hervorgegangen ist, unterstützt als gemeinnütziger Verein künstlerische Anliegen und besondere Vorhaben der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM). Der Verein der Freunde der KHM ermöglicht insbesondere Projekte, Ausstellungen und Publikationen von Studierenden, die ohne diese Förderung nicht möglich wären. Darüber hinaus werden jährlich herausragende künstlerische Leistungen von Studierenden und Absolvent*innen der KHM in Form verschiedener Preise ausgezeichnet. Im Verein der Freunde der KHM engagieren sich Persönlichkeiten aus dem kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben Kölns sowie Alumni der KHM.


Werden Sie Mitglied des Vereins der Freunde der Kunsthochschule für Medien Köln e.V. und unterstützen und begleiten Sie damit Kunst und angehende Künstler*innen in der Region.


Vorstand der Freunde der Kunsthochschule für Medien Köln e.V.: Christian Nagel (Vorsitzender), Isabel Apiarius-Hanstein (Stv. Vorsitzende), Dr. Max F. Krawinkel (Schatzmeister). Weitere Vorstandsmitglieder: Gil Bronner, Caroline Kox, Antonio de Luca, Stephanie Schwarze, sowie ex officio: Prof. Dr. Hans Ulrich Reck (Rektor KHM), Dr. Sabine Schulz (Kanzlerin KHM).



GLASMOOG – Raum für Kunst & Diskurs

Filzengraben 2

50676 Köln

Öffnungszeiten der Ausstellungen:

Do/Fr 16–19 Uhr, Sa 14–18 Uhr und nach Vereinbarung (0221-20189-117 oder -213, glasmoog@khm.de)

Der Große Kunstpreis des Vereins der Freunde der KHM geht 2018 an Beryl Magoko.
Jurybegründung:

Beryl Magoko hat mit In Search zusammen mit der Kamerafrau Jule Katinka Cramer einen ungewöhnlichen und gesellschaftlich dringlichen Dokumentarfilm realisiert, der Frauen zu Wort kommen lässt, die an den traumatischen und physischen Folgen weiblicher Genitalverstümmelung leiden. Die Filmemacherin thematisiert ihren Zugang als Betroffene und Protagonistin, die das sensible und gesellschaftlich vielfach verdrängte Thema des noch praktizierten Rituals im Interview mit anderen Frauen hinterfragt, neue medizinische Möglichkeiten in Betracht zieht und im Dialog mit ihrer Mutter in Kenia einen Umgang damit sucht. Bemerkenswert und besonders ist an In Search sowohl das Aufzeigen der inneren Konflikte der Betroffenen und ihre persönlichen Perspektiven darauf, als auch ein hoffnungsvoller Blick, dass eine psychologische Bewältigung für die weltweit 200 Millionen betroffenen Frauen mit dem Brechen des Schweigens und einem Dialog beginnt. 



3 Förderpreise des Vereins der Freunde der KHM 2018 gehen mit folgenden Jurybegründungen an:

Danila Lipatov (Diplomstudiengang I, 4. Semester)

Der unbedachte Biss in eine von Cholerabakterien befallene Erdbeere wird dem Protagonisten in Thomas Manns „Tod in Venedig“ zum tödlichen Verhängnis. In einer dieser Novelle entlehnten, um möglichst verfeinerten Ausdruck bemühten Diktion berichtet Danila Lipatov in seiner Video- Performance „tot in...“ von einer Italien-Reise zu zweit; auch hier erwachsen aus Details und Bagatellen ungeahnte Bedrohungen für den empfindsamen Ich-Erzähler und die angedeutete Beziehung. Doch auch der Vortrag des Textes selbst, live vom Künstler vor einer Projektion eigener Reisebilder gesprochen, ist wie von einem Virus befallen: Fremde Stimmen kapern den Monolog, die Eloquenz der Rede gerät ins Stocken, der Fluss der Worte stockt im Stottern, der Erzähler setzt wieder und wieder neu an. Die dokumentarische 16mm-Skizze „Kinder am Sonntag“ führt uns in die Parallelwelt der Enklave einer russisch-orthodoxen Gemeinde in Köln. Ihre lakonischen Bilder, Vorstudien für einen längeren Film, zeigen eine Gemeinschaft von Menschen beim Versuch, ihre kulturelle Identität zu wahren, im gemeinsamen religiösen Ritual wie auch im Spiel. Daniela Lipatovs Changieren zwischen Dokumentation und Inszenierung, eigenem und angeeignetem Material, filmischen Arbeiten und Performances verleiht seinem Werk eine mediale und stilistische Vielfalt und Lebendigkeit, die die Jury beeindruckt.

Max Mauro Schmid Diplomstudiengang I, 6. Semester
An einem Beton-Objekt sind zwei Körperschallerreger angebracht und bringen dieses mit kaum hörbaren Infraschall-Ereignissen und offenkundigeren Tönen akustischer Vermessung zum Schwingen. „fits u“ (2018) nimmt Bezug auf die mathematische Modellierung des Menschen, sowie deren Reintegration in architektonische Gestaltungs- und Planungsverfahren. Die Hauptquellen bilden Le Corbusiers Konzept des Modulors und dessen historischer Bezugsrahmen – Vitruv-Mann und Goldener Schnitt. Formgebung und Material der Arbeit sind zum Teil dem Vokabular brutalistischer Architektur entlehnt. „fits u“ untersucht dabei den Begriff des Modells und seine Implikationen – Idealisierung und Komplexitätsreduktion, Skalierung, Proportion und Normativität. Gleichzeitig manifestiert sich in dem Objekt das Negativ der Körperhaltung einer auf dem Bauch liegenden bzw. knieenden Person, wodurch eine quasi-physische Beziehung zur betrachtenden Person hergestellt wird. Den Kern der mixed media Installation „ctrl+esc“ bildet ein kinetisches Klangobjekt, dessen kontinuierlicher Ton durch zwei sich schneidende, magnetisch erregte Stahlsaiten erzeugt, abgenommen und verstärkt wird. Zugrunde liegt ein rückgekoppeltes System, dass auf den jeweils aktuellen Zustand durch kontinuierliche Anpassung reagiert. Den Hintergrund der Arbeit bildet die Beschäftigung mit systemtheoretischen Ansätzen von (unter anderen) Humberto Maturana und Francisco Varela, insbesondere deren Ansatz zur Definition der Autopoiesis und die darin zur Sprache kommenden reziproken und rekursiven Interaktionen eines Systems mit dem Milieu, die zu einem strukturellen Driften führen. Max Mauro Schmids Auseinandersetzung mit Systemen, die er in klanglichskulpturale Objekte und Installationen transformiert, überzeugt die Jury durch ihre Tiefgründigkeit. Seine Bereitschaft, sich auch den handwerklichen Umgang mit physischem Material und die Sprache immateriellen Klangs selbst anzueignen, ermöglicht ihm eine unverkennbare, poetisch-sperrige Formensprache, die immer eine Ambivalenz behält.

Maja Tschumi (Diplomstudiengang II, 2. Semester)
Sechs Wochen lang hat Maja Tschumi Sven Baumgartner mit der Kamera in seine selbstgewählte Isolation begleitet. Das einzige Hoffnung spendende Fenster in eine andere, märchenhafte Welt ist der Blick auf den Bildschirm des Video-Spiels „The Witcher“. Entstanden ist ein außergewöhnliches Porträt eines jungen, tief traumatisierten Mannes, für den sein digitales Alter Ego „Der Hexer“ eine erfolgreiche Überlebensstrategie geworden ist. – Auch Laura, die junge Balletttänzerin und die Protagonistin aus der zweiten dokumentarischen Beobachtung, lebt in einer von unserem Alltag entrückten Welt. Sie hat sich einer radikalen körperlichen und mentalen Selbstoptimierung unterworfen, um es zu einer der erfolgreichsten Tänzerinnen in St. Petersburg zu bringen. Was dieses „Regime“ mit dem jungen Mädchen macht, beobachtet die Filmemacherin ganz dicht, Laura immer auf den Fersen, vor und nach den Auftritten, Backstage und in der U-Bahn. Maja Tschumi überzeugt die Jury durch die Intensität der dokumentarischen Beobachtung und der virtuosen Montage ihrer filmischen Erzählform und einen unverkennbaren, eigenen künstlerischen Ausdruck.


KHM: Dr. Konstantin Butz, Prof. Anke Eckardt, Prof. Marcel Kolvenbach, Prof. Matthias Müller, Prof. Franziska Windisch Verein der Freunde der KHM: Caroline Kox, Antonio de Luca

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