Screening im Studio 54 der Julia Stoschek Collection

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Still aus "AS MUCH AS ANYONE" von Stefan Ramírez Pérez

Mit Arbeiten der KHM-Absolvent/innen Stefani Glauber & Hermes Villena, Stefan Ramírez Pérez, Şirin Şimşek sowie Miriam Gossing & Lina Sieckmann.

Termine
16. Januar 2019, 19:30 Uhr
Julia Stoschek Collection
Schanzenstrasse 54
40549 Düsseldorf 0211/585884-0

Erstmalig präsentiert die Julia Stoschek Collection Düsseldorf filmische Werke von Absolvent/innen der KHM in einem eigenen Programm. Der erste Filmabend findet am 16. Januar 2019 statt, ein zweiter Abend ist für den 20. März 2019 geplant. Die Künstler/innen sind anwesend und werden ihre Arbeiten kommentieren.


Der erste Abend präsentiert filmische Arbeiten von Stefani Glauber, Hermes Villena, Stefan Ramírez Pérez, Şirin Şimşek, Miriam Gossing und Lina Sieckmann: Während RE:RE:RE: (2017) von Stefani Glauber & Hermes Villena verschiedene Objekte und deren Prozess vom physikalischen zum digitalen Abbild begleitet, hinterfragt Stefan Ramírez Pérez in AS MUCH AS ANYONE (2017) das Verhältnis von Dokumentation und Fiktion, Authentizität und Konstruktion. In HÜZÜN (2017) verknüpft die deutsch-türkische Künstlerin Şirin Şimşek auf dokumentarische Weise die heutige politische Situation in der Türkei mit der Hinterfragung ihrer eigenen Identität und familiären Herkunft. Miriam Gossing & Lina Sieckmann untersuchen in ihrem 16-mm-Film OCEAN HILL DRIVE (2016) das Phänomen des „shadowflicker“, einem pulsierenden Schattenwurf, der aufgrund einer zu dicht platzierten Windturbine in einer Vorstadtsiedlung nahe Boston zu finden ist. (Text: Julia Stoschek Collection)

Die Künstler/innen und ihre Werke:


STEFANI GLAUBER & HERMES VILLENA
RE:RE:RE:

2017, UHD-Video, 7’20”, Farbe, Ton
Gemeinschaftsarbeit von Stefani Glauber und Hermes Villena, Soundgestaltung: Nicolas Epe
Nach verschiedenen Publikationen ist die Arbeit "RE:RE:RE:" die erste gemeinsame Videoarbeit von Villena und Glauber. Objekte und ihre Oberflächen, die in ihrer medialen Form einen Weg vom Physikalischen und wiederrum zum Digitalen durchlaufen haben, sind die Protagonisten des Videos. In ihrer Wandlung vom Original zur Fotografie, zum digitalen Scan, zum gedruckten Objekt, zur Videoaufnahme, bleiben nur Fragmente ihrer Herkunft. Menschliche Spuren unterbrechen das eigentlich digitale Bild. Mit der Komposition des Sounds ist nach demselben Schema verfahren worden. Analoger Sound wird aufgenommen, systematisiert und so zum Hybrid zwischen menschlichem und digital erzeugtem Klang.

Stefani Glauber (*1991 in München) lebt und arbeitet in Köln.
Hermes Villena (*1983 in La Paz) lebt und arbeitet in Köln.


STEFAN RAMÍREZ PÉREZ
AS MUCH AS ANYONE

2017, HD-Video,16’40”, Farbe, Ton
”I've done a lot of work. Real work, internal work over the years. I had to. With all my experiences, I had to get in touch with my value and who I am as a person, and knowing that what I bring is worthy and good and all that. So I just had a little conversation with myself.“ 
"AS MUCH AS ANYONE" verbindet dokumentarische Aufnahmen aufstrebender und ehemaliger Schauspielerinnen in Los Angeles mit (re)inszenierten Szenen aus Filmen über Schauspielerinnen. Dabei nehmen vier Performerinnen unterschiedliche Rollen ein, spielen sich selbst und einander. Im Wechsel fiktionaler und dokumentarischer Handlungsebenen verschwimmen die Identitäten und es entstehen widersprüchliche Narrationen, die Auffassungen von Authentizität und Konstruktion des Selbst in Frage stellen.

Stefan Ramírez Pérez (*1988 in Hutthurm) lebt und arbeitet in Köln.


ŞIRIN ŞIMŞEK
HÜZÜN
2017, HD-Video, 12’30”, Farbe, Ton
HÜZÜN ist als Werkreihe 2017 entstanden. In einem Video, einem Künstlerbuch und Fotoarbeiten nahm Şirin Şimşek die drastischen Rückgänge in der Tourismusbranche an der Türkischen Riviera zum Anlass, sich mit der aktuellen Situation der Türkei zu beschäftigen und mit der Frage, welche Bedeutung dies für ihre persönliche Identität hat. In Deutschland geboren und aufgewachsen, liegen ihre familiären Wurzeln in der Türkei, einem Land, zu dem sie einen engen emotionalen Bezug hat, das ihr aber gleichzeitig fremd und fern ist.
„Hüzün“, das türkische Wort für „Melancholie“, gibt die Grundstimmung der künstlerischen Arbeit an. Dokumentarisches Bildmaterial, das Şimşek auf zwei Reisen nach Side gefilmt bzw. fotografiert hat, ist zu einer atmosphärischen Collage montiert, die zugleich eine deprimierende Tristesse und wunderschöne Bildästhetik miteinander verbindet.
Şimşek stellt mit ihrer Arbeit die für sie zentrale Frage in den Mittelpunkt: „Ob und wie es möglich ist, sich mit einem Land oder gar einer Nation zu identifizieren. In meinem Fall sind es sogar zwei Länder, die sich um mein Gefühl der Zugehörigkeit streiten: Das Land, in dem ich geboren und aufgewachsen bin, und das Land, in dem meine „Wurzeln“ zu finden sind.“ Wie auch schon in vorangegangenen Arbeiten fokussiert sich Şimşek in ihrem künstlerischen Schaffen auf das menschliche Subjekt und seine Umgebung, die Begegnung mit ihm und seiner Identität: Sind wir das, was wir sind, weil wir so geboren wurden? Oder weil die Gesellschaft uns so formt? (Text: Astrid Bardenheuer)

Şirin Şimşek (*1983 in Köln) lebt und arbeitet in Köln.


MIRIAM GOSSING & LINA SIECKMANN
OCEAN HILL DRIVE, 2016

16-mm-Film, transferiert auf Video, 21’, Farbe, Ton

OCEAN HILL DRIVE untersucht in dokumentarischen Bildern das seltene Phänomen des „shadowflicker“, welches sich aufgrund einer zu dicht platzierten Windturbine in einer Vorstadtsiedlung nahe Boston ereignet. Der pulsierende Schattenwurf dringt in die häusliche Sphäre verschiedener Eigenheime der US-amerikanischen Suburbia und bewirkt eine hypnotisierende Unterbrechung der Wahrnehmung des Raums. Der Flickereffekt, ein aus dem Kontext des strukturellen Experimentalfilms bekanntes Motiv, taucht hier innerhalb dokumentarischer Aufnahmen verschiedener Wohnräume und Landstriche der amerikanischen Ostküste auf und stellt das soziale und psychologische Gleichgewicht der Nachbarschaft zunehmend in Frage. Der von einer fadenscheinigen Sprecherinnenfigur vorgetragene Text setzt sich aus fragmentarischen Originalaussagen verschiedener Anwohner zusammen. Es entsteht eine lose Narration an der Grenze zwischen Dokumentarismus und Fiktion. 

Miriam Gossing (*1988 in Siegburg) lebt und arbeitet in Köln.

Lina Sieckmann (* 1988 in Engelskirchen) lebt und arbeitet in Köln.

Editor — Ute Dilger
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