Die Fächergruppe Kunst- und Medienwissenschaften versteht sich als Diskursraum, in dem Studierende und Lehrende gemeinsam an kritisch-epistemologischen Fragestellungen zu Ästhetiken, Politiken, Materialitäten sowie künstlerischen und medialen Praxen arbeiten. Deren Verflechtungen mit Körpern, Kollektiven, Gemeinschaften und Technologien werden in unterschiedlichen Forschungsfeldern von insgesamt drei Professuren verhandelt: Transversale Ästhetik, Kunstwissenschaft mit erweitertem Materialbegriff und Queer Studies in Künsten und Wissenschaft. Hinzu kommen spezifische Themenschwerpunkte wie zum Beispiel die Black Radical Tradition, Politiken der Sorge, kritisches Kuratieren, queerfeministische Science and Technology Studies, Artistic Research, und (Sub-)Kulturwissenschaft.
Die Fächergruppe ist in Lehre und Forschung auf universitärem Niveau angesiedelt und bietet neben der kontinuierlichen Mitarbeit in der künstlerisch-gestalterischen Projektentwicklung die Möglichkeit zur wissenschaftlichen Promotion (Dr.phil.). Sie pflegt vielfältige Beziehungen zu universitären wie außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Neben Lehre und Forschung werden Symposien und Vortragsreihen sowie die Herausgabe von Publikationen organisiert.
Der Blick auf den Umgang mit Material in der Kunst ist ein zentraler Gegenstand der Kunstgeschichte und wurde vor allem im Hinblick auf Formfragen thematisiert. In der kunstwissenschaftlichen Forschung wurde die Prozessualität in ihrer Unabgeschlossenheit oftmals zugunsten einer auf das künstlerisch autonome Werk ausgerichteten Rezeption vernachlässigt oder im Hinblick auf den umfassenden Topos der Kreativität verhandelt. Seit einigen Jahren jedoch sind Transformationsprozesse im Ausstellungsraum erneut Gegenstand künstlerischer Verfahren, die im Zuge des sogenannten Material Turn von philosophischen Reflexionen flankiert werden. Im Unterschied zu bestimmten Theorien des New Materialism und der Akteur-Netzwerk-Theorie richtet sich die Aufmerksamkeit hier auf die in einem zeitlichen Prozess intraagierenden Kräfte – um einen Begriff Karen Barads zu verwenden – und ihrer sich erst in der Handlung einstellenden Intentionalität.
Ein erweiterter Materialbegriff birgt die Herausforderung, sowohl auf heterogene, im künstlerischen Prozess intraagierenden Materalität zu blicken, als auch menschlich und nicht menschlich Agierende mit einzubeziehen und dabei im Feld der Materialreflexionen einen eigenen Materialitätsbegriff in postmedialen Umgebungen im Kontext von Displays und Dispositiven zu formulieren. Dabei stehen künstlerische Prozesse mit performativen und feministischen Materialansätzen, sowohl die Aktivitäten eines Produktionsprozesses, als auch die rezeptive Erfahrung als gemeinsame gesellschaftliches Handlungsformen (John Dewey) im Fokus. Dabei werden Fragen adressiert, wie: Was geschieht in einem künstlerischen Prozess, in dem Kenntnisse nicht im Hinblick auf Materialwissen und Kunstfertigkeit angewendet werden, sondern diese bewusst aussparen? Und wie lassen sich kooperierende und kollaborative Produktionsweisen beschreiben und analysieren, die neben Fertigkeiten, die sich zeitlich und intentional im Handeln selbst einstellenden Prozesse beschreiben?
Innerhalb des Forschungsfeldes werden diese Prozesse als Affiliationen von Materialität untersucht und stehen Aspekte der Zusammenarbeit, des kollektiven und feministischen, wie auch queeren künstlerischen Agierens im Fokus.
Ausführlichere Informationen zum Lehrgebiet »Queer Studies in Künsten und Wissenschaft« folgen in Kürze.
Die Transversaler Ästhetik beschäftigt sich mit Formen der Kunst und des Studierens, die sich etablierten gesellschaftlichen Strukturen entziehen und dabei Individuum und Institution kritisch hinterfragen. Einen wichtigen Grundstein für ein Konzept von transversaler Ästhetik avant la lettre legte der amerikanische Gelehrte und Wissenschaftler Cedric Robinson (1940-2016) mit dem, was er als schwarze radikale Tradition, als „the black radical tradition“ bezeichnete. Es handelt sich dabei um eine vierhundert Jahre alte Tradition, die Ästhetik als Grundlage für ein widerständiges Leben begreift. Permanent mit den Grausamkeiten eines rassistischen Kapitalismus konfrontiert, entwickelt sie Formen von Kunst, die diesem System transversal begegnet, also quer zu seinen Machtstrukturen verläuft. Im Mittelpunkt stehen dabei Unterschiede und Differenzen, die in gemeinschaftlichem und kollaborativem Handeln gelebt werden. Die Transversale Ästhetik greift diese Qualitäten auf und macht sie für eine kritische Studienpraxis fruchtbar.
Assistenz der Fächergruppe
Assistant Art and Media Studies
Maren Mildner
T +49 221 20189 - 123
Fax: +49 221 20189 - 49123
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Heidi Pfohl
T +49 221 20 189 383
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