Semesterstart 2026/27 – Begrüßung durch den Prorektor und drei Preisverleihungen

Prorektor Prof. Zilvinas Lilas bei der Begrüßung (Foto: D. Boxberg)

Es ist ein Ritual zu Beginn jedes Wintersemesters: Offizielle Begrüßung und Verleihung des DAAD-Preises und der Förderpreises des Vereins der Freunde der KHM. Im Anschluss: Umtrunk für alle!

Montag, 12. Oktober 2026, 19 Uhr, Aula
Filzengraben 2, 50676 Köln

Bei der diesjährigen Eröffnung des Wintersemesters  begrüßte Prorektor Prof. Zilvinas Lilas alle Mitglieder der KHM und ganz besonders die neuen Studierenden. 


Verliehen wurden im Anschluss drei Auszeichnungen.


Laura Schulz-Keune (Internationales) stellte den wichtigen und mit 1.000 Euro dotierten DAAD-Preis für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender vor. Er ging dieses Jahr an Artiom Zavadovschi, die Laudatio sprach Dr. Katrin Kämpf (Künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin Queer Studies).

Verliehen wurden ebenso die mit je 2.000 Euro dotierten Förderpreise des Vereins der Freunde der KHM e. V.. Sie unterstützen jedes Jahr besondere künstlerische Leistungen von KHM-Studierenden. Für den die KHM seit ihrer Gründung im Jahr 1989 kontinuierlich begleitenden Verein sprach Caroline Kox (Vorstand). Die beiden Förderpreise gingen an Maria Babusch und Sihan Chen. Die Laudatio sprach jeweils Prof. Alexandro Bachmann (Filmgeschichte und Filmtheorie).


Herzlichen Glückwunsch an alle!

Laudatio für Sihan Chen (Ausschnitt)

von Prof. Johannes Wohnseifer


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Das Motiv des Pferdes ist der Anlass für eine malerische Transformation und immer wiederkehrende Beschäftigung mit einer künstlerischen Aufgabenstellung, aber kein Ausdruck eines privaten Interesses an Pferden oder Reitsport. Das Pferd dient weniger als realistisches Abbild, sondern vielmehr als eine emotionale Projektionsfläche. Nuancen von Verbindung und Distanz bis hin zu Schwere, Abschied oder existenzieller Migration werden eingefangen. Durch die bewusst eingesetzte Verzerrung, Wiederholung und Fragmentierung des Tierkörpers werden wechselnde Zustände transportiert. Die Bilder spiegeln die persönliche Situation der Künstlerin, ihre Lebensgeschichte wider und haben den Charakter eines Tagebuchs. Die tägliche Stimmung und Verfassung aufzuzeichnen - ob in Texten, Zeichnungen oder Bildern - ist ein wichtiges künstlerisches Prinzip von Sihan Chen und bestimmt ihre tägliche Praxis.

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Bei oberflächlicher Sichtweise lässt sich der grundsätzliche Aufbau ihrer Bilder allzu leicht als romantisch oder dekorativ auffassen. Es spricht für die künstlerische Reife und Souveränität von Sihan Chen, dass sie sich davon nicht verunsichern lässt und ihr malerisches Konzept der seriellen Wiederholung unbeirrt weiterführt. Es geht ihr nicht um das Einzelwerk, sondern um die Logik der Wiederholung, die auf eine konzeptuelle Unabgeschlossenheit verweist. So wird immer wieder das Leben und persönliche Erleben der Künstlerin, das sich in jedes einzelne Bild eingeschrieben hat, als Chiffre sichtbar.


Sihan Chen zeichnet seit ihrer frühesten Kindheit und hat nie damit aufgehört. Trotz ihres jungen Alters verfügt sie deshalb schon über viele Jahre an künstlerischer Praxis und hat bereits eine ganz eigene visuelle Sprache geschaffen, die gleichermaßen als konzeptuelle Untersuchung und als emotionales Zeugnis funktioniert.

Die Malerei von Sihan Chen war in den letzten beiden Jahren in vielen studentischen Gruppenausstellungen im Kontext der KHM sichtbar. Darüber hinaus hatte sie in diesem Frühjahr ihre erste Einzelpräsentation in einer Berliner Galerie.


Auch in ihren neuesten Arbeiten, in denen nun mit einem leuchtenden Blau eine weitere Farbe in das Werk einführt wird, verfolgt sie dieses künstlerische Projekt weiter. Die Motive ändern sich ebenfalls, das Pferd wird abgelöst von Darstellungen weiblicher Figuren und abstrakter Formen. Ein Schritt in eine neue Richtung, der durch den Förderpreis des Vereins der Freunde der KHM unterstützt werden soll.


Laudatio für Maria Babusch (Ausschnitt)

von Juan Guse


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Was uns an ihren Arbeiten so fasziniert hat, ist genau diese Poetik des Verbindens zwischen einerseits den recherchierten Dokumenten, dem empirischen Material, dem Haben-Haben-Haben und andererseits dem Spekulativen, der Imagination, dem Sollen-Wollen-Können. In „Hacker auf Estradiol“, der Lecture-Performance, in der es um diese beiden Figuren geht, nimmt das eine sehr kunstvolle Form an, in der das Recherchierte weder einfach nur der Fiktion geopfert wird, noch für sich unangetastet stehen bleibt.


Es ist eine Arbeit, die ausgeht vor der Idee des Hacks als einem Off-Label-Use von verschiedenen Systemen. Zum Beispiel: ein Gerät wird gegen seine intendierte Bestimmung gebraucht. Aber eben auch: ein Körper wird entgegen seiner Zuschreibung verändert. Dass dieser großartige Text bereits zehnmal auf der Bühne stand, von Dortmund bis Münster, und noch dieses Jahr als Buch bei SuKultur erscheint, überrascht uns wenig. 

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Die Lindenburgliste. Was ist die Lindenburg, fragt man sich vielleicht? So wird in der Kölner Mundart manchmal noch das heutige Uniklinikum genannt. Und genau dort wurde in den Dreißiger Jahren Adele Haas festgesetzt, nachdem sie von einem Freier unter dem Vorwurf angezeigt wurde, keine Frau zu sein. Die Polizei lässt sie daraufhin festnehmen, Haas tritt in den Hungerstreik, wird später deportiert und überlebt sieben Konzentrationslager.


In ihrem Prosagedicht lässt Maria auch hier wieder eine zweite Frau auftreten. Sie wird Jahrzehnte später ebenfalls in die Lindenburg eingeliefert, in ihrem Fall jedoch, weil bei ihr Wochen nach einer geschlechtsangleichenden Operation Komplikationen aufgetreten sind. Die Form, die Maria gewählt hat, um diese Verbindung zwischen den Figuren herzustellen, entstammt dabei dem Ort selbst, als ein integraler Teil des operativen Alltags von Krankenhäusern: die Liste. Und Maria gelingt es, mit ihrer literarischen Lindenburgliste einen Text zu schaffen, in dem Vergangenheit und Gegenwart in einem langen, langen Atemzug zusammenzufallen scheinen.


Liebe Maria, im Namen der gesamten Jury und überhaupt der Welt: Herzlichen Glückwunsch zu diesen absoluten BANGER-Arbeiten.

Editor — Juliane Kuhn

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