Globalisierungsdiskurse und digitale Transformation

Ausführliche Informationen zum neuen Lehrgebiet »Globalisierungsdiskurse und digitale Transformation« folgen in Kürze.

Lehrangebot im WS 2019/20:


Prof. Dr. Fatima Kastner

Ethik der Roboter


Theorieseminar Hauptstudium und weiterqualifizierendes Studium
Dienstag wöchentlich 14:00 – 16:00
Erster Termin 15.10.2019
Filzengraben 8 - 10, 2.04



Warum sollten wir über eine Ethik der Roboter nachdenken? Die traditionelle Ethik als philosophische Disziplin hat es theoretisch wie praktisch ja eigentlich nur mit Menschen zu tun und der Frage, nach dem sogenannten guten Leben. Sie definiert die
moralischen Grundsätze, nach denen wir unser Zusammenleben in der Gesellschaft organisieren wollen. Roboter jedoch sind keine Menschen. Sie sind auch keine Tiere, denen wir bis zu einem gewissen Grad einen moralischen Status und inzwischen sogar Rechte zusprechen. Was aber sind Roboter? Dinge? Werkzeuge?
Agenten? Die Tatsache, dass Roboter längst eigenständige Aktionen durchführen können, lebenskritische Entscheidungen fällen oder autonom Verträge abschließen, sei es in der Kranken und
Pflegewirtschaft durch robotergestützter Pflege, in der
Kriegsindustrie durch unbemannte Kampfmaschinen oder in der Finanzwirtschaft durch autonome Software zeigt, dass unter bestimmten Bedingungen Robotern tatsächlich schon heute eine gewisse soziale Akteurschaft zugeschrieben werden kann. Damit avancieren Roboter und algorithmische Systeme zu unseren
neuen nicht-menschlichen Mitgliedern der Weltgesellschaft. Für unser Zusammenleben ergeben sich daraus einige brisante Problemstellungen, die uns durchaus dazu nötigen, über die Moralität dieser neuen Gesellschaftsmitglieder einmal nachzudenken.
Zunächst stellt sich in Bezug auf ihre Entscheidungen die
Frage nach ihrer Identität und Autonomie. Im unmittelbaren Zusammenhang damit, stellt sich dann die Frage nach ihrer Individualität und Subjektivität oder besser Adressabilität, insbesondere im Hinblick auf die enge Kooperation zwischen Menschen und autonomen digitalen Systemen. Schließlich stellt C 50 sich die Frage nach dem Umgang mit anonymen Netzwerken, die dann entstehen, wenn unsichtbare Maschinen, also Computer in enger Verflechtung mit anderen Computern agieren.
Diese neue Unübersichtlichkeit einer faktischen Post-Sozialität, als Folge der zunehmenden algorithmischen Durchdringung der Weltgesellschaft, stellen Politik und Recht schon heute vor die Herausforderung, für Roboter und autonome digitale Informationssysteme einen neuen rechtlichen Status zu bestimmen.
Oder anders formuliert: Wie wollen wir in Zukunft Roboter zur Rechenschaft ziehen? Wer ist für ihr Handeln verantwortlich, wenn es einen Gewissenskonflikt gibt oder wenn künstliche Intelligenz zwischen Leben und Tod entscheidet?


Teilnahmevoraussetzungen:
Aktive Teilnahme auf der Grundlage intensiver Lektüre. Interesse an philosophischen und interdisziplinären Fragestellungen zum Verhältnis von Ethik, Recht und Gesellschaft im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung.


Literatur:
Zu Beginn des Semesters wird ein Reader zur Verfügung stehen.





Lehrangebot im SoSe 2019

Prof. Dr. Fatima Kastner


Luhmann goes digital                                                   

Konturen einer Theorie der digitalen Gesellschaft



Theorieseminar Hauptstudium und weiterqualifizierendes Studium Dienstag wöchentlich 14:00 – 16:00

Erster Termin 02.04.2019

Filzengraben 8 - 10, Seminarraum 2.04



Der digitale Wandel der Gesellschaft beeinflusst nahezu alle Bereiche der sozialen Lebenswelt und stellt uns vor weitreichende Fragestellungen: Welche Folgen für Politik, Recht und Gesellschaft ergeben sich aus der Entwicklung von intelligenten Robotern und unsichtbaren Maschinen, die sich als künstliche Systeme an menschlicher Kommunikation beteiligen? Was bedeutet diese technische Durchdringung der Weltkommunikation für das Selbstverständnis des Menschen? Welche Theorien können uns diesen Wandel erklären? Inwieweit sind diese Diskurse selbst an der Konstruktion und Fabrikation der digitalen Gesellschaft beteiligt?


Fragen dieser Art betreffen im Kern eine grundlegende sozio- technische Neukonfiguration der weltgesellschaftlichen Moderne, auf die konventionelle Theorien  bisher jedenfalls nur unzureichende Antworten gefunden haben. Dies stellt die Wissenschaften wie auch die Künste vor gewaltige Heraus- forderungen, eröffnet aber zugleich auch weite Spielräume für den experimentellen Umgang mit Theorien und Konzepten der Gegenwartsgesellschaft. Ausgehend von neueren Ansätzen der Medien- und Kulturforschung im Anschluss an die Systemtheorie von Niklas Luhmann wollen wir diesen Freiraum des Denkens gemeinsam ausloten und unter Bezugnahme auf den aktuellen Forschungsstand zur digitalen Transformation aus technik- und kommunikationstheoretischer Perspektive, wissenschaftlich konturieren.


Die Themenfelder, denen wir uns dabei im Verlauf des Seminars zuwenden wollen, reichen hierbei von Fragen nach der Verortung und Spezifikation der digitalen Gesell- schaft, zum Beispiel im Unterschied zu historischen

Gesellschaftsformationen, über die Frage nach den dramatischen Folgen für politische Meinungsbildungsprozesse, die sich aus den Massenmobilisierungserfolgen populistischer Bewegungen durch die Verwendung von Social Bots in den sozialen Netzwerken ergeben, bis hin zur Frage nach den Gefahren für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, die sich durch den Einsatz von Algorithmen und Big Data zur Vorhersage menschlichen Verhaltens ergeben, etwa im juristischen Feld der richterlichen Entscheidungsfindung oder im Feld der polizeilichen Ermittlungsarbeit. Mit diesem weiten Themenspektrum, möchte die Lehrveranstaltung die Studierenden dazu inspirieren, theoriegestützt und auf der Basis empirischer Befunde eigenständige Strategien einer kritischen Gegenwartskunst unter den Strukturbedingungen von Globalisierung und Digitalisierung zu entwickel


Teilnehmervoraussetzungen:

Aktive Teilnahme auf der Grundlage intensiver Lektüre. Interesse an interdisziplinären Fragestellungen zum digitalen Wandel von Wissen, Macht und Ökonomie.


Literatur:

Zu Beginn des Sommersemesters 2019 wird ein Reader zur Verfügung stehen.


Lehrangebot im WS 2019/20:


Prof. Dr. Fatima Kastner


Localizing Globalization:

Auf dem Weg zu einer kritischen Theorie der Globalisierung



Fachseminar Hauptstudium und weiterqualifizierendes Studium Dienstag wöchentlich 14:00 – 16:00

Erster Termin 23.10.2018

Filzengraben 8 - 10, 2.04



In dieser Lehrveranstaltung geht es um Globalisierung. Mit dem Begriff werden globale Prozesse der Entgrenzung, Verflechtung und Vernetzung verbunden. Damit  ist allerdings das komplexe Feld der Globalisierung längst nicht ausgeschöpft. Das Ziel des Seminars ist es, den Studierenden ein belastbares Wissen über die Strukturen, Dynamiken und Akteure von Globalisierungsprozessen zu vermitteln, die sie dazu befähigt, eigenständige Forschungsinitiativen zu entwickeln und in Bezug auf eine künstlerische Praxis erfolgreich durchzuführen. Hierfür  ist es zunächst entscheidend, dass wir uns mit den einschlägigen Theorien der Globalisierung vertraut machen. Den Startpunkt unserer Auseinandersetzung bilden die so genannten klassischen Weltgesellschaftstheorien von Niklas Luhmann, Peter Heintz und John W. Meyer. Ausgehend von  diesen primär theoretischen Modellen der Globalisierung aus systemtheoretischer, interdependenztheoretischer und neoinstitutionalistischer Perspektive werden wir dann neuere poststrukturalistische Ansätze der Globalisierungsforschung aus feldtheoretischer und post-kolonialer Perspektive kennenlernen, die sich zum Teil als komplementäre, zum Teil aber auch als radikal alternative Diskurse der Globalisierung  deuten lassen.  Hierbei wird es aber nicht nur um eine bloße Gegenüberstellung der Grundbegriffe und theoretischen Modelle gehen, sondern auch um die empirische Verortung und die politische Anwendung dieser Globalisierungsdiskurse.

Am Beispiel der weltweiten Ausbreitung universaler Menschen- rechte im Kontext des Regelsetzungssystems der Vereinten Nationen wollen wir uns dies konkret anschaulich machen. Dabei werden sowohl transnationale Trends der Vereinheitlichung auf globaler Ebene, wie auch paradoxe Dynamiken und gegenläufige Auswirkungen auf lokaler Ebene in den Blick genommen. Wir lernen damit sowohl das Denken in konventionellen Kultur- und Raumvorstellungen zu überwinden, als auch den Fallstricken des methodologischen Nationalismus und Eurozentrismus zu entgehen. Die Veranstaltung möchte dadurch ein Verständnis dessen vermitteln, was eine kritische Theorie der Globalisierung zu leisten vermag


Teilnahmevoraussetzung:

Aktive Teilnahme auf der Grundlage intensiver Lektüre. Interesse an interdisziplinären Fragestellungen zum Verhältnis von Kunst, Politik und Gesellschaft unter den Strukturbedingungen von Globalisierung und Digitalisierung.


Literatur:

Zu Beginn des Wintersemesters 2018/19 wird ein Reader zur Verfügung stehen.

Lehrende

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