
Kooperationskonferenz der Queer Studies der KHM mit der Akademie der Bildenden Künste Wien und dem European Institute for Progressive Cultural Policies (eipcp).
"Die mikropolitische Dimension wird immer wieder auf all die asignifikanten Elemente, all die Elemente der Singularität zurückkommen; sie wird die Dinge in dem Moment wieder komplizieren, in dem man glaubte, Einigkeit erzielt zu haben. Genau in diesem Moment wird deutlich, dass es keine Einigkeit gibt, genau in diesem Moment taucht die Existenz selbst in ihrer Singularität wieder auf. Das ist die Dimension – ich würde sagen: die Fluchtlinie – der Mikropolitik." (Félix Guattari, Mikropolitik, im Gespräch mit Suely Rolnik)
In den aktuellen kapitalistischen Ausformungen sehen wir uns einem komplexen Gefüge aus Identitarismen, (Mikro-)Faschismen und Affekt-Strömen gegenüber, das die Einzelnen nicht einfach nur einfängt, unterwirft oder auslöscht, sondern deren Flüsse steuert und optimiert. Regierung bedeutet hier nicht einfach eine Struktur, die uns beherrscht, sie entsteht in den Poren, Falten und Fasern der sozialen Beziehungen und technopolitischen Maschinen, in der täglichen Einübung in Häme und Hass, Shaming und Ressentiment.
Doch im Alltag entstehen nicht nur neue Regierungsweisen, hier werden auch Widerständigkeiten und Singularitäten produziert, die die Kraft haben, neue Bewegungen entstehen zu lassen. Es sind die Mikropolitiken des Alltags, die das Soziale politisch und emanzipatorische Kämpfe intensiv werden lassen – als molekulare Revolution der Subjektivierungsweisen, der Lebensweisen, der Singularisierungsprozesse.
Die Konferenz wird mit Bezügen auf Félix Guattari, Suely Rolnik, Michel Foucault und Gilles Deleuze die Aktualität mikropolitischer Positionen herausstreichen und die Verbindung des theoretischen Konzepts mit sozialen Bewegungen untersuchen.
Rubia Salgado: Eine Rede zur Mikropolitik mit einer Nelke zwischen den Zähnen. Oder: Wie gelangen wir zur poetischen Haltung
Christoph Hubatschke: Krach und Unsinn. Mikropolitiken des Postmedialen
Isabell Lorey: Mikrophysik des Faschismus und nicht-faschistisches Leben bei Foucault
Gerald Raunig: Frühling zwischen den Zähnen. Gegenkultur als mikropolitischer Widerstand
Mikropolitiken: Tosquelles, Guattari, Rolnik.
Panel und Buchpräsentation mit Christoph Hubatschke, Isabell Lorey, Stefan Nowotny, Rubia Salgado, Ruth Sonderegger
Boris Buden: Mikropolitik im Zeitalter des Globalen Techno-Krieges
Stefan Nowotny: Insistenzen des Lebendigen
Brigitta Kuster: Mikropolitik: un brassage
Ruth Sonderegger: Ästhetik im Integrierten Weltkapitalismus. Und quer zu ihm
Moderation: Niki Kubaczek, Monika Mokre
Eine Konferenz des eipcp in Zusammenarbeit mit der Akademie der bildenden Künste Wien und der Kunsthochschule für Medien Köln. Konferenzwebseite