Vortrag und Diskussion: Erinnerungskultur, Rassismus, Öffentlichkeit und Konflikt – am Beispiel des antirassistischen Mahnmals an der Keupstraße, in Erinnerung an die beiden in Köln vom NSU begangenen Bombenanschläge, 2001 in der Probsteigasse und 2004 in der Keupstraße.
Wie kann eine aktive Erinnerungskultur aussehen, die auf den gegenwärtigen Rechtsruck in Deutschland reagiert – und dem Erstarken rassistischer Gewalt und Ideologien etwas entgegensetzt?
Wir laden ein zu Vortrag und Diskussion über das geplante Mahnmal an der Keupstraße. Am 9. Juni 2004 zündete das rechtsterroristische Netzwerk Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) eine Nagelbombe in der Kölner Keupstraße und verletzte damit mindestens 24 Menschen schwer. Statt die rassistische Motivation der Tat zu erkennen, richteten sich die Ermittlungen über Jahre hinweg gegen die Betroffenen selbst – ein massives institutionelles Versagen. Heute, über 20 Jahre später, steht das Mahnmal noch immer nicht.
Im Zentrum der Veranstaltung steht der künstlerische Ansatz von Ulf Aminde, der in seiner Aussage "Der Kampf um das Mahnmal ist Teil des Mahnmals selbst" enthalten ist: eine Arbeitshaltung, in der das Mahnmal nicht als abgeschlossenes Werk/Objekt begriffen wird, sondern als ein offener, konflikthaften Prozess: In einem Vortrag stellt er zentrale Aspekte dieser Arbeit sowie seiner künstlerischen Praxis und Lehre vor – insbesondere das Mahnmal als Aushandlungsprozess, den Einsatz von Augmented Reality im öffentlichen Raum, partizipative Strategien und das Verhältnis von Kunst, Lehre und gesellschaftlicher Intervention. Im Anschluss daran gibt es genügend Raum für Diskussion und Austausch.
Ulf Aminde ist Künstler und lehrt als Professor an der weissensee kunsthochschule berlin. In seiner Arbeit verbindet er Video, Performance und soziale Praxis mit partizipativen und kollaborativen Methoden. Im Zentrum stehen dabei Fragen von Öffentlichkeit, Erinnerung, Machtverhältnissen und kollektiver Handlung. In seiner Lehre forscht er zu Methoden und Grundlagen der machtkritischen Gestaltung von Raum. 2016 initiierte er die *foundationClass für Designer*innen und Künstler*innen mit Flucht und Rassismuserfahrung. | www.ulfaminde.info
Sandy Kaltenborn ist Kommunikationsdesigner mit Sitz in Berlin. In seiner Arbeit verbindet er visuelle Kommunikation, Design mit künstlerischer Praxis und gesellschaftlicher Intervention. Er beschäftigt sich mit Öffentlichkeit, Konflikt, Machtverhältnissen und der Frage, wie Gestaltung in reale soziale Prozesse eingreift. Seit 1999 betreibt er das Büro image-shift.net. Aktuell vertritt er die Professur für Transformationsdesign an der Kunsthochschule für Medien Köln.