
Im Rahmen der Kategorie „Kinofest Regional“ läuft „Nonna“ von KHM-Studenten Vincent Graf beim 35. Kinofest Lünen.
Das Kinofest Lünen versteht sich als einzigartigen Treffpunkt für den deutschen Film und wird seit 1990 jährlich von der Stadt Lünen veranstaltet. In diesem Jahr wird „Nonna“ von Vincent Graf beim Kinofest Lünen zu sehen sein. Der Dokumentarfilm ist der erste Langfilm des Postgraduierten im Studium an der KHM. "Nonna" feierte seine Weltpremiere im Wettbewerb des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm 2025 und lief als Eröffnungsfilm beim Kölner Dokumentarfilmfest „Stranger than fiction“.
Vincent Graf wurde 1996 als Sohn deutsch-italienischer Eltern in Deutschland geboren. Er studierte Film an der FH Dortmund, wo er sowohl dokumentarisch als auch fiktional arbeitete. Seit 2023 studiert er als Postgraduierter an der KHM. „Nonna“ ist sein erstes Projekt an der KHM.
Neben „Nonna“ ist noch ein weiterer Film mit KHM-Bezug in Lünen zu sehen. „Eine Krankheit wie ein Gedicht“ ist der Debütfilm von KHM-Absolventin Jelena Ilić und läuft im Wettbewerb Lüdia beim Kinofest Lünen. Der Dokumentarfilm feierte seine Weltpremiere beim Filmfestival Max Ophüls Preis.
„Nonna“ von Vincent Graf
D, 2025, 72 Min.
Nonna [it. Großmutter] ist allein. Allein in Süditalien. Dort schuftet sie sich täglich für ihr Vermächtnis ab – ein weitläufiges Bed & Breakfast. Eigenhändig von ihr und ihrem Mann erbaut, mit den hart erarbeiteten D-Mark aus über drei Jahrzehnten der Gastarbeit in Deutschland. 1999 kehrten beide zurück nach Italien, während ihre Kinder und Enkel in Deutschland blieben. Nonno [it. Großvater] ist mittlerweile verstorben, nur der schwerhörige Bruder wohnt jetzt um die Ecke. Gelegentlich wird gemeinsam gegessen – häufiger lautstark diskutiert oder über den defekten Rasentrimmer gestritten. Videoanrufe mit der Schwester, ihren Kindern und Enkeln halten den Kontakt zu Deutschland aufrecht. Die Distanz zur Familie ist groß und die Verbindung oft schlecht. Doch Nonna geht stur ihren alltäglichen Arbeiten in den einsamen Zimmern, Fluren und dem Garten nach. Dabei ist sie widerwillig auf die Hilfe des Tagelöhners Ali angewiesen. Zunehmend verschwindet Nonna in den Strukturen des Hauses. Starrköpfig, laut und nachdenklich kämpft sie gegen das Wissen an, dass sie bald eine Entscheidung treffen muss.
Vorführtermin: Samstag, 06.06., Cineworld, Kino 4, 12.00 Uhr
„Eine Krankheit wie ein Gedicht“ von Jelena Ilić
D, 2026, 81 Min.
Seit fünf Jahren sitzt der Vater in der Forensik, und mit dem näher rückenden Tag seiner Freilassung verschiebt sich auch die Perspektive der Tochter: Sie muss sich vorbereiten – auf eine Begegnung, auf Erwartungen, auf die Möglichkeit einer „normalen“ Beziehung, die es so vielleicht nie gegeben hat. Zwischen Nähe und Überforderung, Fürsorge und Selbstbehauptung entsteht ein präzises Bild einer Verbindung, die sich einfachen Kategorien verweigert. Die Inszenierung bleibt ruhig, fast tastend, und lässt den Figuren Raum, ohne sie je preiszugeben. Jelena Ilić gelingt es, das zutiefst Persönliche in eine allgemeine Erfahrung zu überführen, ohne es zu glätten. So entfaltet sich ein Kino der leisen Verschiebungen, das weniger erklärt als sichtbar macht und gerade dadurch lange nachwirkt.
Vorführtermin: Donnerstag, 04.06., Cineworld, Kino 2, 16.00 Uhr