Projecting Ourselves in the Future Tense – KHM auf der ART COLOGNE 2019

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Anne Weyler, Octopoda Metamorphosis, 2018, Videoinstallation

Ausstellung der KHM auf der ART COLOGNE 2019 mit Werken von Kendy Garcia, George Demir, Johannes Krell/Florian Fischer, Katharina Monka, Vanja Smiljanić, Finn Wagner, Anne Weyler; special guests: Söhnlein Brilliant und Gratis Kritik

Termine
10. – 14. April 2019, Koelnmesse, Eingang Süd, Halle 11.1, Stand C-008

Seit 1997 ist die KHM jährlich auf der ART COLOGNE zu Gast und präsentiert im Kontext der traditionsreichen Kunstmesse eine Sonderausstellung mit Arbeiten von Künstler*innen aus den Abschlussjahrgängen. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf zeitbasierten Werken, darunter Video- und Mixed-Media-Installationen, Experimentalfilme, Performances.

Die sieben in der Ausstellung gezeigten künstlerischen Positionen von Kendy Garcia, George Demir, Johannes Krell/Florian Fischer, Katharina Monka, Vanja Smiljanić, Finn Wagner, Anne Weyler und den special guests Söhnlein Brilliant und Gratis Kritik stehen exemplarisch für eine künstlerische Haltung, die tradierte gesellschaftliche Zuschreibungen immer wieder auf ihre Relevanz und Berechtigung hin befragt und die unterschiedlichen Facetten möglicher neuer Perspektiven auslotet. Die im Ausstellungstitel „Projecting Ourselves in the Future Tense“ angedeutete projektive Transition von einer gegenwärtigen in eine zwar angelegte, aber noch nicht vollendete zukünftige Daseinsform bietet einen gedanklichen Referenzpunkt für die gezeigten künstlerischen Ansätze:

Die Videoinstallation „Keeping up – ein Milieuwechsel“ (2018) von George Demir behandelt den transitorischen Prozess von einem migrantisch geprägten, bildungsfernen Arbeitermilieu in ein intellektualisiertes, privilegiertes und vorwiegend weißes Umfeld in Form der Tiefenbetrachtung einer Mediensozialisation.

Kendy Garcias 4-Kanal-Videoinstallation „Phases“ (2019) liefert einen Beitrag zu einer größeren Vielschichtigkeit des Geschlechterdiskurses. Vier Gewichtheberinnen werden in spektakulären Landschaften und damit außerhalb der üblichen vier Wände eines Fitnessstudios beim Kraftsport gezeigt. Durch die Verschiebung des angestammten Kontexts wird der Blick gelöst von überkommenen geschlechtlichen Zuschreibungen und erweitert um mögliche unerwartete Lesarten.

In ihrem experimentellen Dokumentarfilm „UMBRA“ widmen sich Johannes Krell und Florian Fischer in der Natur auftretenden optischen Erscheinungen – uralten natürlichen Projektionen, die als erste kultur- und apparateunabhängige Bilder betrachtet werden können und in ihrer Immaterialität und Fragilität Vorläufer des kinematografischen Bildes sind.

In Katharina Monkas mehrteiliger Installation „InH00118StevenVers.II 2018“ (2018) entsteht ein Beziehungsgeflecht zwischen dem Raum, der Architektur, verschiedenen Objekten und Bildern sowie an- und abwesenden Körpern. Dabei bilden Performer*innen immer wieder ein zentrales Element.

Vanja Smiljanić vermittelt in ihrem künstlerischen Werk zwischen verschiedenen, oftmals stark voneinander abgegrenzten Regimen und erforscht Methoden des Geschichtenerzählens. Seit 2017 liegt der Schwerpunkt ihrer künstlerischen Forschung auf der spirituellen UFO-Bewegung Unarius Academy of Science, die 1954 von Ruth und Ernest Norman in El Cajon, Kalifornien, gegründet wurde. Verschiedene Erzählstränge werden in installativen Elementen – Video, Teppiche und einer Cosplay-Puppe – miteinander verknüpft, darunter eine Videoarbeit über ein psychodramatisches Spiel, bei dem die Protagonist*innen gemeinsam in die von der Unarius-Kosmologie propagierte hochentwickelte, techno-theokratische antike Gesellschaft Orion zurückreisen.

Finn Wagner arbeitet in den Bereichen Skulptur, Videokunst und 3D-Animation. Seine 3D-animierten Videoarbeiten, bei denen oftmals die Überwindung der physikalischen Grenzen von Material im Zentrum steht, provozieren emotionale Reaktionen für rein virtuelle Stofflichkeiten und ermöglichen so deren haptische Erfahrung gleichwertig zu physisch realem Material. Wagners jüngste Videoinstallation „trapped in a glaze like in fossilised amber“ (2019) handelt von der unbewussten psychologischen Wirkung der verführerischen Effekte von Glanz.

Ausgangpunkt für Anne Weylers Videoinstallation „Octopoda Metamorphosis“ (2018) ist ein Versuchsaufbau mit unterschiedlichen Materialien und Texturen, wie Früchten, farbigem Schleim und verdünnter Lebensmittelfarbe. In Auseinandersetzung mit Vilem Flussers und Louis Becs Text „Vampyrotheutis Infernalis“, in dem die Lebensfunktionen einer dem Menschen spiegelartig entgegenstehenden Spezies der Gattung Octopoda untersucht wird, erforscht Anne Weyler als Performerin verschiedene Körperbilder, die sie aus ihrem gewohnten Handlungsspielraum herausholen und unbekannte Körper- und Raumerfahrungen auslösen. Dabei entstehen Bilder des Körpers, die zwischen Fragmentierung und Konsolidierung oszillieren.

Den Soundtrack zur Ausstellung bietet das neue Album von Söhnlein Brilliant, das im Juni 2019 erscheinen wird. Söhnlein Brilliant, ein 2015 gegründetes Projekt der Musiker*innen und Kunststudent*innen Marie-Claire Delarber und Benjamin Adams, beschäftigt sich mit analogen Klangsynthesen und popkulturellen Bewegungen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Erzeugung von Polyphonien mit Wurzeln sowohl in der modernen als auch in der klassischen Musik. Versatzstücke eines emotionalen, aus der Improvisation hervorgehenden Überbaus bilden die Basis der Texte.

Lektüre mit Kritiken zu beispielsweise Ausstellungen im Museum Ludwig oder bei Gold + Beton, Theater- und Konzertbesuchen sowie Kölner Gastroerfahrungen biete die neue Ausgabe von It Tastes Like Ashes – Gratis Kritik, einer neuen "Gastro/Kunst/Party"-Zeitung mit verschiedenen Autor*innen initiiert von Julius Vapiano.


Gaffel-Kölschglas-Edition 2019: Jiha Jeon, Student der KHM, gestaltet die Gaffel-Kölschglas-Edition 2019 zur 53. ART COLOGNE. Die Preisverleihung findet am Mittwoch, 10. April, um 17:30 Uhr, auf der ART COLOGNE im Eingang Süd statt.

Editor — Heike Ander
Ausstellung auf der Art Cologne 2019

Fotos: S. Rupieper / KHM

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