Förderpreise für junge Künstlerinnen und Künstler des Landes NRW 2018

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Foto: MKW NRW/Andrea Bowinkelmann

Stefani Glauber, Beryl Magoko und Tilman Singer erhalten je einen der mit 7.500 Euro dotierten Förderpreise für junge Künstlerinnen und Künstler des Landes NRW 2018.

Die Ministerin für Kultur und Wissenschaft Isabel Pfeiffer-Poensgen zeichnete am Montagabend drei Absolvent/innen der Kunsthochschule für Medien Köln mit dem Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für junge Künstlerinnen und Künstler 2018 aus: in der Sparte „Medienkunst“ die Absolventin Stefani Glauber (Diplom 2017), in der Sparte „Film“ die Absolventin Beryl Magoko (Diplom 2017) und den Absolventen Tilman Singer (Diplom 2017). „Gerade zu Beginn einer künstlerischen Laufbahn ist es oft nicht einfach, von der Kunst leben zu können. Deshalb soll der Preis neben der Anerkennung der bisherigen Leistungen auch eine materielle Unterstützung sein. (...) Den Künstlerinnen und Künstlern, die wir in diesem Jahr auszeichnen, möchte ich deshalb nicht nur zu ihrem Preis gratulieren, sondern auch dazu, dass sie den Mut und die Energie für ihren Weg aufgebracht haben. Der Förderpreis des Landes wird hoffentlich dazu beitragen, ihnen materiell und ideell den Rücken zu stärken.“ (Isabel Pfeiffer-Poensgen im Katalog zur Preisverleihung)

​​​​​​​Gewürdigt wurden die Leistungen von insgesamt 17 junge Künstlerinnen und Künstler in den Bereichen Bildende Kunst, Literatur, Musik, Theater, Film, Medienkunst und Architektur, die durch Geburt, Wohnsitz oder ihr Schaffen mit dem Land Nordrhein-Westfalen verbunden sind.


Laudatio für Stefani Glauber

(...) In ihrem jüngsten mehrteiligen Werkkomplex aus Video, Voiceover-Stimme und Textbild geht Glauber diesen immer komplexer werdenden Sprachfiguren nach, die Menschheits-, Geistes- und Technologiegeschichten durchlaufen, und sie untersucht, wie die Technisierung des menschlichen Körpers und die Cyborgisierung inzwischen keine Zukunftsidee mehr ist, sondern Realität: „Echo and internet – what great analogy!“ (...) Glauber geht es in ihrem Werk nicht um eine rein medientechnische Auseinandersetzung, sondern – wie auch die Arbeit „Google Book Skies“ von 2016 eindrücklich zeigt – um die Aufdeckung ebenjener poetischen Momente, die zwischen den bits und bytes zu finden sind. In dieser Arbeit sammelte die Künstlerin Stör- oder Fehlbilder im Internet, die beim Scannen von Büchern durch Google Books entstanden sind. Besonders häufig zeigten sich diese scanbedingten Artefakte bei Bildern vom Himmel. Stefani Glauber stößt uns in ihrer künstlerischen Arbeit auf die immer engere Verbindung von Mensch und Maschine. Sie zeigt, wie digitale Technologien unsere Kommunikation und damit auch die Art, wie wir leben und uns weiterentwickeln, spürbar verändern, aber ebenso dazu anregen, auf die Brüche im System zu achten.


Laudatio für Beryl Magoko:

(...) Der erste Film, „The Cut“ von 2012, zeigt das Beschneidungsritual und seine Einbindung in die sozialen Strukturen des Dorfes. Dies geschieht nicht durch einen erklärenden, hinweisenden Kommentar, sondern durch die Beobachtung von Gesichtern, die von Unsicherheit, Angst – und später auch von namenlosem Schmerz zeugen. Wir hören differierende Meinungen von Dorfbewohnern, die es uns schwer, wenn nicht unmöglich machen, einer Seite recht zu geben. Dass diese kulturelle Komplexität deutlich wird, ist unbedingt der dokumentarischen Qualität des Filmes zu verdanken. Die Kamera sieht Nuancen der Mimik, vermerkt Seitenblicke, Interaktionen und erzählt die Geschichte mit einem offenen Ende. „In search“ von 2018 ist in gewisser Weise eine in ihrer Konsequenz bezwingende Fortführung des Themas: Magoko ist auf der Suche – nach ihrer Identität, nach einer m
öglichen Entscheidung über eine chirurgische Rekonstruktion. Sie trifft und spricht andere betroffene afrikanische Frauen und sie versucht, mit ihrer Mutter zu reden. So ist dieser Film ein dokumentarisches Selbstportrait und zugleich ein Befund über die Friktionen von tradierten Ritualen und Ansprüchen auf weibliche Autonomie. Ein wichtiger, ein politischer Dokumentarfilm.


Laudatio für Tilman Singer

(...) In Tilman Singers Werken ist die Sprache als Handlungsträger stark reduziert. Seine Filme erzählen mehr über Bilder als über Worte, die sich in einem kontemplativen Kontext visualisieren. Das Besondere an seinen Arbeiten ist, dass alle Filme auf 16mm, also analog gedreht sind. Die Bildsprache ist mit großer Liebe zum Detail komponiert. Er verwandelt beliebige Räume in Kunstwerke, in denen Outfits und Locations perfekt aufeinander abgestimmt sind. In assoziativer Erzählkraft und durch malerische Lichtkonzepte entführt er den Zuschauer in geheimnisvolle Welten. Eindringliche, komponierte Musik sowie ein ausgeklügeltes und komplexes Sounddesign lassen sich in allen seinen Arbeiten wiederfinden. Seine Regiearbeit sowie seine Schauspieler sind herausragend. In seinem Abschlussfilm „Luz“ (2018) kommt das bisherige Schaffen von Tilman Singer kongenial zusammen. „Luz“ ist ein einzigartiger Mystery-Thriller, der durch seine Unberechenbarkeit bis zum Ende spannend bleibt. (...)

Die Auszeichnung wird seit 1957 jährlich von der Landesregierung im Bereich Kunst verliehen. Viele später prominente Künstlerinnen und Künstler wie Andreas Gursky, Pina Bausch, Mischa Kuball, Christoph Schlingensief, Günther Uecker, Dieter Wellershoff und Frank-Peter Zimmermann erhielten diese Ehrung des Landes Nordrhein-Westfalen. Gewürdigt werden mit jeweils zwei Preisen die Leistungen in den Bereichen Bildende Kunst, Literatur, Musik, Theater, Film, Medienkunst und Architektur. Die Künstlerinnen und Künstler sollten in der Regel nicht älter als 35 Jahre und durch Geburt, Wohnsitz oder ihr Schaffen mit dem Land Nordrhein-Westfalen verbunden sein.


Die festliche Verleihung der Förderpreise fand am 26. November 2018 im LWL Museum für Kunst und Kultur in Münster statt.

Editor — Ute Dilger
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