Dominik Graf zu Gast

KHM
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Verfluchte Liebe deutscher Film im Verleih Augustin Film KG, Berlin
— by Ute Dilger —

Im Kompaktseminar von Prof. Dietrich Leder und Prof. Gebhard Henke sprechen Dominik Graf und Johannes F. Sievert über ihre beiden aktuellen Dokumentarfilme zur Geschichte des deutschen Films.

Mit den beiden Dokumentarfilmen „Verfluchte Liebe deutscher Film“ (2016, 90 Min.) und „Offene Wunde deutscher Film“ (2017, 106 Min.) haben sich Dominik Graf und Johannes F. Sievert auf eine Reise zu den Nachtschattengewächsen der deutschen Filmgeschichte begeben. Abseits der offiziellen und seriösen Beiträge haben sie die lange verfemten und verkannten Filme aufgesucht. Eine Abenteuerfahrt in die Subkultur des deutschen Films.
Die beiden Dokumentationen wurde von Dominik Graf und Johannes F. Sievert geschrieben und inszeniert und für den WDR und arte hergestellt und von der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen gefördert. Sie feierten jeweils ihre Uraufführung im Forum der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2016 und 2017.

Kennt nicht jeder von uns diese Sehnsucht nach deutschen Filmen, die aus der Reihe tanzen, die wild und sinnlich, die physisch sind? Von die- ser Sehnsucht erzählen die Krimis von Dominik Graf, seine Artikel zum Kino und auch seine neue Dokumentation. Wo ist diese Seite unserer Filmtradition geblieben, die in den 70er und 80er Jahren ein Genre-Ki- no zum Vorschein brachte, das ein anderes, abgründiges Deutschland zeigte? Schon vor Martin Scorseses TAXI DRIVER gab es in Roland Klicks SUPERMARKT (1973) Reflexionen von Leuchtreklamen auf nächtlichen Straßen und einen schwarzen Engel als Helden, der eine Prostitu- ierte retten will. Lässig wie ihre Helden sitzen Klaus Lemke und Ro- land Klick vor Grafs Kamera und schwärmen von körperlich agieren- den Schauspielern. In der deutschen Nachkriegszeit war der versehrte, der schwitzende, der arbeitende Körper zunächst nicht gewollt. Ma- rio Adorf und auch Klaus Kinski brachten die Physis zurück. Plötzlich entstand Raum für gewalttätige, blutige und schmutzige Geschichten, die erste Kaufhausbombe der RAF hallte in einem Film wie BLUTIGER FREITAG (1972) nach. Auch so lässt sich deutsche Geschichte erzählen. (Quelle: Katalog der Berlinale 2016)

Wie wild, unberechenbar, sinnlich, verwegen und prall das deutsche Kino sein kann, zeigte schon der Filmessay Verfluchte Liebe deutscher Film. Nun setzen Dominik Graf und Johannes Sievert die archäologische Abenteuerfahrt an die Ränder, in die Abgründe, aber auch ins Zentrum der deutschen Film- und Fernsehproduktion fort und werfen berechtigte Fragen auf: Warum gibt das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht mehr so hellsichtige Science-Fiction-Filme wie Smog (1973) in Auftrag? Warum entwickelt das Kino keinen Wagemut im Genre? Dabei braucht es, wie in Abwärts (1984) von Carl Schenkel, nur einen Aufzug, der in einem Bürohaus steckenbleibt, um einen klaustrophobischen Psychothriller zu drehen. Warum treten junge Regisseure nicht in die Fußstapfen des widerborstigen Klaus Lemke, der seine Filme einfach aus der Hüfte schießt? Und weshalb wird denen, die es tun, die Förderung verweigert? Natürlich würde man die zitierten Kino- und Fernseh-Sumpfblüten – etwa Slavers – Die Sklavenjäger oder Liebling – Ich muss dich erschießen – am liebsten sofort anschauen. Leider existieren vielfach aber nur noch die Trailer oder Plakate dieser verschollenen Schätze. (Quelle: Katalog der Berlinale 2017)

Dominik Graf
Geboren 1952 in München. Er studierte Regie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Er ist einer der bekanntesten deutschen Regisseure und hat über fünfzig Filme für Fernsehen und Kino gedreht. 1990–1992 war er nebenberuflicher Professor für Spielfilmregie an der gerade gegründeten Kunsthochschule für Medien Köln.
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Johannes F. Sievert
Geboren 1968 in Bielefeld. Er studierte Film- und Fernsehwissenschaft, Theater- sowie Politikwissenschaft, anschließend Regie an der ifs internationalen filmschule köln. Gemeinsam mit Dominik Graf ist er Herausgeber der Publikation „Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie" (2010).

Der Workshop richtet sich an Studierende im Hauptstudium und Postgraduiertenstudium. Weitere Studierende/Kolleg/innen der KHM oder Gäste bitten wir um vorherige Anmeldung bis 16.10.2017. 

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